Tagebücher
Sa 31.03.07 bis So 01.04.07 Montreux Jeune, Bandwochenende
Wo liegt denn Montreux-Jeune? Ist das eine sich selbst versorgende Hippiekommune? Gegründet von frustrierten, von Minderwertigkeitskomplexen geplagten, ehemaligen Einwohnern des schweizerischen Montreux? Njet. Montreux-Jeune ist ein nur durch Steuerschenkungen am Leben gehaltenes Provinznest. Das kleine Dorf liegt zwischen anderen kleinen Dörfern (Montreux-Vieux, Petit-Croix) im Sundgau. Obschon winzig hat es dem aufgeschlossenen Besucher viel zu bieten: Ruhe, einen Dorfladen mit einem auf das Nötigste begrenzten Angebot (nur das Bier ist zu teuer...), eine Kirche, die an Feiertagen alle Konfessionen bedient, fröhliche Jugendbanden, eine Offroaderstrecke im ansonsten wunderschönen Wald und... ein altes Zollhaus aus dem Deutsch-Französischen Krieg, wo wir unser erstes Bandwochenende verbrachten.
Ungefähr 15 Zimmer standen uns zur Verfügung, zwei im Erdgeschoss deklarierten wir zu Proberäumen, falls wir getrennt proben wollten. Übrigends zum ersten Mal dabei war Jonas; sobald die Einkäufe und die Zimmerverteilung erledigt waren, ging es mit dem Proben auch schon los... tja und geschlafen wurde erst um circa halb drei Uhr morgens. Am nächsten Tag wollten wir unsere neuen Stücke aufnehmen, die Aufnahmequalität stellte sich aber als so mies heraus, dass die Files nach erfolgter Digitalisierung sofort gelöscht wurden. (Mit mittlerweile sechs Leuten klingt unsere Musik nicht nur voller sondern ist auch ein ganzes Stück lauter als zuvor... das in den MP3-Player integrierte Billig-Mic gab sich geschlagen und signalisierte dies durch mitleiderregendes statisches Rauschen... dafür kann es kochen, Wäsche machen und noch eine ganze Reihe weiterer Dinge, schenkt man dem Werbeprospekt Glauben.) Wir werden in den nächsten Tagen bessere Aufnahmen machen, um für mehr Ohrenfutter für die Website zu sorgen.
Am Sonntag Abend mussten wir dann leider auch schon wieder abreisen. Wir assen noch etwas, putzten das Haus, bemerkten voller Erstaunen, dass französische Regionalzüge zwar verspätungsfrei fahren, sie aber auf den Anzeigetafeln des Bahnhofs nicht korrekt aufgelistet wurden und gingen früh zu Bette. Oder auch nicht. Wieder einmal hatten die Helden des übertrieben klappernden Rumpelgepäcks jede Menge Spass.
Do 25.01.07 bis So 28.01.07 Heidelberg, DAI Stummfilmfestival
Regionalzüge der deutschen Bahn haben was Schönes an sich. Denn ein ICE hat einfach nicht die gleiche "Zufall negativer Natur pro Stunde" - Quote (znn/h) wie die chronisch verspäteten Rumpelzüge kleinerer Bauart, denen wir uns so verpflichtet fühlen. Doch auch romantische 2 Stunden Verspätung lassen sich schwer wieder schön reden und so verkürzte sich die geplante Probe und Raumbesichtigung im DAI Heidelberg (Deutsch-Amerikanisches Institut) um einiges. "Wieso DAI, Wieso Heidelberg?", höre ich da die kritischeren LeserInnen blubbern. Nun, liebe Basler, nehmt es uns nicht übel, aber diese Stadt ist einfach schöner! Aber selbstverständlich hat unsere Reise nach Heidelberg noch einen anderen Grund. Silent Movie (Regisseur Mel Brooks) hiess der Film, den wir am internationalen Stummfilmfestival, dessen Veranstalter das DAI war, mit unserer Musik am Samstag Abend live begleiten sollten. Für den Film haben wir unser normales Probeverhalten sein gelassen und stattdessen 3 Monate lang geübt/arrangiert/improvisiert, wie ein Manager arbeitet, der es auf ein dickes Gehalt und multiple Burnouts anlegt. Die Musik, die am Ende heraus kam, war eine Mischung aus irischer und osteuropäischer Volksmusik, klassischer Musik, ekstatischer Improvisation mittels altem Blech, unverständlichen Regieanweisungen (zum Beispiel "das Stück des Rennens der Rollstühle mit riesigen runden Rädern), und sogar einem einzigen gesprochenen Wort. Während der Probezeit stellte uns das Gymnasium Muttenz den Musikraum sowie das komplette Instrumentarium zur Verfügung. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle! Sonst hätten wir es wahrscheinlich nicht gepackt.
Am 23.01.07 führten wir den Film und die Musik im Gym Muttenz auch auf, sozusagen um allen Interessierten einmal zu zeigen, was unsere Band überhaupt tut. Das Publikum reagierte sehr positiv (es wurde sogar mit der Möglichkeit, den Film in einem richtigen Landkino nochmals aufzuführen, geliebäugelt... huiuiui) und trotzdem waren wir jetzt, am Donnerstag Abend im DAI in Heidelberg so nervös wie noch nie. Nun ja, es würde das erste Mal sein, dass wir in einem so grossen Saal spielen würden, noch dazu vor völlig fremdem (und deshalb vorurteilsfreiem) Publikum.
Einquartiert waren wir während unseres Aufenthalts in Heidelberg übrigens bei Julia und ihrer Familie. War super bei euch! Smear Dubh verneigt sich vor euch, hehe. Am Freitag haben wir mit Julia die Stadt und das Schloss besichtigt, obwohl ich persönlich nicht so viel davon mitgekriegt habe, da aus irgendeinem, logisch überhaupt nicht nachvollziehbaren Grund die ganze Zeit über Schneebälle flogen. Ah ja, auf dem Hauptplatz von Heidelberg gibt es geniale Crêpes. Macht sie mal mit Zitrone und Zimt und Zucker! Ok, vielleicht ist das für viele von euch ja normal, ich jedenfalls kannte das noch nicht. Ein Festival wäre kein Festival, wenn es nur aus einer einzigen Musikgruppe bestünde. Und so eröffneten die SAP Kammerphilharmonie mit einer Komposition von Cornelius Schwehr unter der Leitung von Johanna Weitkamp am Freitag Abend das Festival, indem sie ihre Neuvertonung zum Film Panzerkreuzer Potemkin spielten. Interessante Musik.
Der Samstag bestand hauptsächlich aus nervös sein, einem frühen Soundcheck im DAI und dem Auftritt um 20.00 Uhr selbst. Tjo, eigentlich gibt es da nicht viel zu sagen, der Auftritt lief gut, den Leuten hat es gefallen und wir waren erleichtert... ausserdem konnten wir gratis essen und trinken, muhahaha. Nachher liessen wir mit einem Mitternachtstanz am Ufer des Neckar bei den drei Steinen (An alle, die in Heidelberg studieren: Ihr habt echt Glück mit eurer Wiese da!) den Abend/Morgen ausklingen.
Am Sonntag stand noch ein Besuch bei diversen Laurel & Hardy Filmen auf dem Programm, nachher ging es auch schon mit unserem ganzen Blechladen zurück in die Schweiz. Und dieses Mal zwar in einem Ersatzzug, aber immerhin ohne Verspätung. Ein grosses Dankeschön nochmals an Julia und CO, es hat echt Spass gemacht.
Irgendwann im Herbst, Deutschlandtour
Es gibt ein Zeichenspiel und das funktioniert so: Der erste Spieler zeichnet den Kopf, der zweite der Hals und so weiter. Ist man am Ende angekommen deckt man das Ganze auf und amüsiert sich ob der anatomischen Unmöglichkeiten, die da auf dem Blatt zu sehen sind. Gleiches geht auch mit Tagebucheinträgen...
Irgendwann im Herbst beschloss Sméar Dubh eine einwöchige Tour durch Deutschland zu machen. Unsere Reise verschlug uns nach Heidelberg in die Neckarstadt wo seinerzeit Udo Jürgens sein Herz verlor. Und so begrüssten wir auf der Neckarwiese die Tauben und bespielten die Heidelberger Einkaufsstrassen. Ob der Typ nun Mister Swahili, Swaheli oder Suaheli hiess, der uns auf der Strasse für das Internationale Stummfilmfestival anfragte, sei dahingestellt. Vielleicht dachte Vahedi wir sind besoffen oder wir dachten das von ihm.
Ja ihm, nicht ehedem und auch nicht zu clean.
Glücklich grüssten wir auf dem ollen Marktplatz den ollen Glücksfrosch und danach gingen wir zu Julia nach Hause. Am nächsten Tag gab der Gott der abgebissenen Zehennägel sein Einverständnis und transferierte uns mittels Regionalzug nach Köln. Eine nette Stimme begrüsste uns am Kölner Hauptbahnhof auf Gleis 15. Diese Stadt schien sympathisch zu sein. Daraufhin mussten wir unbedingt eine Bleibe finden. Aber selbstverständlich war alles in unserer Preisklasse ausgebucht, woraufhin wir in einem sehr weiterempfehlenswerten Naturfreundehaus unterkamen.
So Kinderlein, der Yannick muss nun sein Zimmer aufräumen weil er ein ganz ganz böser war (ist). Morgen gehts weiter.